FAQ zu „«Forschung toppen, Tierversuche stoppen! Tier- und Menschenversuchsverbot – freie Fahrt für faire Ansätze»

SINNGEMÄSSE INTERVIEWFRAGEN DER PRESSE (2.2017):

Wie streng ist ihr Tierversuchsverbot?

So streng und wasserdicht, wie nur irgend möglich d.h. Nulltoleranz. Ausnahmen haben stets das Potenzial, die besten Vorsätze und Einsichten auszuhebeln. Ein Papiertiger nützt dem Gewissen, aber nicht der Sache.

  • Was meinen Sie mit «Erstanwendung»?

Irgendjemand ist immer der erste beim Kontakt mit einem neuen Wirkstoff. Dieser erste soll aber in keiner Weise ein «Versuchskaninchen» sein, so wie das heute der Fall ist, sondern sich darauf verlassen können, dass die Wissenschaft ganze Arbeit geleistet hat und weiss, was sie tut. Heute werden meist an armen oder verzweifelten Menschen Wirkstoffe getestet, die mehrheitlich nie auf den Markt dürfen, weil sie trotz bester tierexperimenteller Ergebnisse, am Menschen dann doch versagen.

Weil jeder Mensch und jede Darmflora zu jedem Zeitpunkt individuell ist, ist strenggenommen jede Anwendung eine Erstanwendung. Kontrollen und Vorsicht können dem Erfahrungsstand angepasst werden. Das «Rollout» eines Wirkstoffes ist jedenfalls mindestens so tüchtig zu verbessern, wie die Forschungsprozesse selbst.

Die Fahrzeugbranche hat es vorgemacht: seit sie an den Menschen angepasste Crash-Test-Dummys verwendet – statt Tiere an die Wand zu fahren -, kann sie bessere, menschengerechtere Sicherheit gewährleisten. Die Zeit ist überreif für das Pochen auf die tierversuchsfreien Bio-Dummys auch in anderen Bereichen.

  • Hat die Initiative eine Chance?

Das Projektziel ist äusserst sportlich. Wäre die Abstimmung heute, würden wir in der Tat klar und deutlich verlieren. Entscheidend ist, wie kreativ wir die verbleibende Zeit bis zum Abstimmungstermin nutzen können: Wenn es uns gelingt, dass sich viele Menschen vertieft und breit mit dem Thema auseinandersetzen, dann haben wir nichts zu befürchten, denn nur, wer zu wenig über Menschen, Tiere, Markt und Politik und den Sinn des Lebens weiss oder nicht in sich hineinhorcht, ist für Tierversuche.

  • Geht es wirklich ums Gewinnen oder bloss um die Diskussion um Tier- und Menschenrechte?

Den meisten in unserem Netzwerk und mir selbst geht es auf keinen Fall bloss um eine Diskussion. Darum nehme ich die sorgfältige Vorbereitungen so ernst. Projekte sind dafür da, ihnen zum Durchbruch zu verhelfen.

  • STS, WWF und ähnliche Organisationen fehlen auf Ihrer Unterstützerliste. Beweist das nicht, dass die Initiative zu hohe Anforderungen stellt?

Es zeigt mir, dass viele Gruppierungen sich im langen Kampf um Rechte von Schwächeren zermürben liessen und mutlos wurden. Jetzt braucht es zahlreiche Menschen mit frischen Kräften, die bereit sind, sich der anspruchsvollen ethischen, politischen und wissenschaftlichen Herausforderungen zu stellen.

  • Sie wollen die Einfuhr von neuen Medikamenten unterbinden, nur weil sie an Tieren getestet wurden?

Zum Schutz von Patienten und Probanden und auch zum Schutz der Schweizer Hersteller ist eine konsequente Haltung zur ethisch und wissenschaftlich besseren Forschung unerlässlich.

  • Es ist doch Fakt, dass es ohne Tierversuch nicht geht, oder?

Nein, dies ist alles andere als «eine Tatsache». – Der Tierversuch ist vor allem marktpolitisch «nützlich» beim «Vorwärtsbringen» von schlecht erforschten Substanzen. Mit Tierversuchen kann man alles und nichts beweisen. Manche USA Gerichte lassen den Tierversuch deshalb seit „Daubert gegen Merrell Dow Pharmaceuticals“  auch gar nicht mehr als wissenschaftliche Methode bei der Beweisführung zu – Tierversuche sind eine «Krücke», die der Homo Sapiens nicht braucht. Wir sind zu weit besserem und eleganterem fähig.

  • Wollen Sie Menschen die medizinische Hilfe vorenthalten?

Ganz im Gegenteil: Schäden und Todesfälle riskiert man heute. Damit soll endlich Schluss sein. Wir machen den Weg frei für bessere Forschung und Produkte.

  • Bald gäbe es ein Kompetenzzentrum für alternative Methoden. Müsste man nicht zuwarten, was dieses Zentrum erreichen kann?

Es wurde bereits viel zu lange gewartet: Seit bald 60 Jahren verspricht man sich via 3R (replace, reduce, refine) den allmählichen Ausstieg vom Tierversuch.  Der Ausstieg hat nicht stattgefunden. Einzig unsere Initiative könnte einem Kompetenzzentrum zum nötigen Aufschwung in die richtige Richtung verhelfen.

  • Wer ist im Initiativkomitee?

Initiativkomitee inklusive politischen Hintergrund: Dr. med. *Renato Werndli*, SP, Jakob Oeschstr. 1, 9453 Eichberg SG ¦ *Simon Kälin-Werth*, Grüne, Dipl. Natw. ETH, Umweltphysiker, Albisstrasse 113, 8038 Zürich ¦ *Irene Varga*, Ex-Grüne, nun parteifrei, Dipl. Natw. ETH, Weiherstrasse 17, 9305 Berg SG ¦ *Luzia Osterwalder*, parteifrei, Naturheilpraktikerin, Schorenstrasse 1, 9000 St. Gallen ¦ *Andreas Graf*, Ex-Grüne, nun parteifrei, Steinacherwiesen 512, 9323 Steinach ¦ *Urs Hans*, Grüne, Biobauer, Turbenthal, Neubrunn 1672, 8488 Turbenthal ¦ Avv. *Cristina Clemente*, partito operaio populare (Sektion der Arbeiterpartei), viale Verbano 3a, 6600 Muralto ¦ *Susi Kreis*, parteilos, Maurenstrasse 2, 8575 Bürglen TG ¦ *Lislott Pfaff*, ohne Parteibuch, Medizinwissenschaftliche Übersetzerin, Allmendstrasse 4, 4410 Liestal

  • Wie hat sich das Komitee gefunden?

Kristallisationspunkt zu dieser Initiative war das lose Netzwerk der „IG für ein soziales STATT neoliberales bGE“. Daraus sind viele Folgevernetzungen, wie auch das ebenfalls lose Netzwerk Parteifrei SG entstanden. Der Kulturimpuls der „Initiative Grundeinkommen“, hat sich als politisch aktivierend erwiesen, auch wenn viele von uns die Finanzierungsvorstellungen und den Umsetzungsfahrplan des damaligen Initiativkomitees in keiner Weise mittragen können.

  • Wie sind die Erfahrungen der Komitee Mitglieder mit Initiativ-Projekten?

Meines Wissens hat noch niemand von uns je eine „eigene“ Initiative auf die Beine gestellt, aber die meisten waren bereits in den einen und anderen politischen Kampf aktiv beteiligt.

  • Warum startete die IG Tierversuchsverbots-Initiative CH nicht schon vor 3 Jahren durch?

Eine Handvoll Menschen ohne Verbandszeitung kann keine 100’000 gültigen Unterschriften sammeln. Wir brauchten die Zeit, um Verbündete zu suchen. Neben rund 2000 Sympathisanten, welche die Unterschriftensammlung vorwärtsbringen wollen, konnten wir inzwischen über 50 Unternehmen und Organisationen finden, die ein bedingungsloses Tierversuchsverbot öffentlich auf unserer Webseite tierversuchsverbot.ch mental unterstützen. Das Initiativkomitee selbst bildete sich erst im Dezember 2016.

  • Geht’s bald los oder wird nun jahrelang diskutiert?

Gemäss Bundeskanzlei müsse man für die Vorprüfung mit 3 – 4 Monaten rechnen. Noch liegen wir im Plan. Der schwierigste Brocken ist der deutsche Text, da er die Grundlage bildet für sämtliche Übersetzungen. Nur noch ein einziges Feedback aus unserem Team ist noch ausstehend.

  • Wie werden Sie es schaffen die 100’000 gültige Unterschriften zusammen zu tragen?

Mit viel Einsatz auf der Strasse, im Bekanntenkreis, in den Medien und der Hoffnung, dass alle, welche wissen oder fühlen, dass Tierversuche der falsche Weg ist, sich jetzt politisch im Rahmen ihrer Möglichkeiten einbringen werden. Anlaufstelle: www.tierversuchsverbot.ch

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